Xin chào Việt Nam! Guten Morgen, Vietnam ! Reportage über das heutige Vietnam [VIDEO]

Guten Morgen, Vietnam!
Von Ho Chi Minh zur Marktwirtschaft

Vietnam wird als neuer Wachstumsmarkt entdeckt. In den Fußstapfen Chinas erprobt das Land die wirtschaftliche Öffnung – unter dem wachsamen Auge der kommunistischen Partei.
Näherin Trinh Hoai Chau hat ein gutes Einkommen – mit Parteiwimpeln und mit Fußball-Trikots. Die Unternehmerin findet den Kapitalismus im Kleinen, der ihr die Kassen füllt, gut. Zugleich ist sie stramme Parteisoldatin. So wie sie lavieren viele Vietnamesen zwi-schen Sozialismus und Marktwirtschaft.

Die Sozialistische Republik Vietnam wird von vielen Ökonomen als neuer Wachstums-markt entdeckt. In den Fußstapfen Chinas praktiziert Vietnam erfolgreich „Doi Moi“, die wirtschaftliche Öffnung des Landes bei politischem Alleinherrschaftsanspruch der Kom-munistischen Partei.

Zwar bietet Vietnam nicht den Milliarden-Menschen-Markt Chinas. Es ist auch nicht so entwickelt wie asiatische „Tigerstaaten“ in der Nachbarschaft. Aber es besitzt eine unge-wöhnlich junge, fleißige und erfolgshungrige Bevölkerung. Nicht ohne Grund werden die Vietnamesen gern als die „Preußen Asiens“ bezeichnet.

Der Spagat zwischen Sozialismus und Marktwirtschaft ist Nährboden für ungewöhnliche Geschäftsideen. Das Pro-Kopf-Einkommen hat sich zwischen 1990 und 2010 veracht-facht. Das Land hat konstante Wachstumsraten von mehr als 5 Prozent. Und es schöpft damit sein wahres Potential noch lange nicht aus. Bei der Armutsbekämpfung ist Vietnam derzeit sogar das erfolgreichste Land der Welt. Aus dem Kriegsgegner USA ist heute ein geschätzter Handelspartner geworden. Und auch Deutschland stehen die Vietnamesen sehr freundlich gegenüber, dank der vielen in der DDR ausgebildeten Landsleute. Zu-nehmend entdecken auch deutsche Unternehmen Vietnam als Produktionsstätte.

Doch mit der rasanten Entwicklung mehren sich auch die Probleme. Städte wie Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt wachsen zu schnell, die Immobilien sind überteuert. Abwasserkanäle und Straßen sind überlastet, die Energieversorgung steht auf wackligen Beinen. Die Staatsbetriebe, die immer noch zwei Fünftel der nationalen Wirtschaftsleistung erbringen, müssen reformiert und effizienter gemacht werden. Und Vietnams Reisbauern sollen zu Facharbeitern umgeschult werden: Eine Herkulesaufgabe, denn drei von vier Vietname-sen leben noch auf dem Land.